

TITEL-THEMA
Anwendungen in der Chemie und Petrochemie
Turbokompressoren für Betreiber mit hohem Luftbedarf
Atlas Copco erweitert mit einer strategischen Neuausrichtung sein Portfolio an industriellen Turbokompressoren. Das Unternehmen bietet nun standardisierte sowie kundenspezifische Maschinen im Leistungsbereich von 355 kW bis 6,3 MW an – mit Volumenströmen bis zu 70.000 Normkubikmetern pro Stunde. Die Maschinen punkten mit hoher Zuverlässigkeit über Jahrzehnte, hoher Energieeffizienz und wartungsarmem Design. Damit adressiert der Hersteller gezielt Anwendungen in der Chemie und Petrochemie, in großen Luftzerlegungsanlagen sowie der Herstellung von Halbleitern und Batterien.
Dieser Turbokompressor ZH 1000–3,5 steht bei einem Anwender, der für die Produktion von Kunststoffrasen sehr viel Druckluft benötigt. Der kompakte Kompressor wurde als Standardversion ohne Schallhaube ausgeliefert. Quelle: Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik GmbH
Mit Leistungen bis 6,3 Megawatt (MW) und Volumenströmen bis 70.000 Normkubikmetern pro Stunde (Nm³/h) richtet sich das Portfolio gezielt an Betreiber mit hohem Luftbedarf – etwa in der Chemie und Petrochemie, der Stahlindustrie oder in Luftzerlegungsanlagen. Durch hochwertige Ausstattung, spezifizierte Messtechnik und robuste Komponenten wird laut Hersteller eine sehr hohe Anlagenverfügbarkeit erreicht.
Waren die ZH-Turbokompressoren früher vor allem als standardisierte Einheiten im unteren Leistungsbereich bekannt, so bietet das Unternehmen nun auch maßgeschneiderte Lösungen mit höheren Leistungen an, ohne die Vorteile der Standardisierung aufzugeben: „Neu ist zum Beispiel die Möglichkeit, Maschinen nach kundenspezifischen Vorgaben auszulegen – einschließlich Ausführung gemäß API 672“, sagt Udo Meller, Business-Development-Manager für die Turbos. Die API 672 ist eine Norm, die vom Amerikanischen Petroleum-Institut (API) herausgegeben wurde und unter anderem Konstruktionsmerkmale, Zuverlässigkeits- und Sicherheitsstandards für in der Chemieindustrie eingesetzte Turbokompressoren festlegt.
„Instrumentierung, Werkstoffauswahl, spezielle Messsensorik oder individuelle Armaturen, Kühlerdesign, Peripherie oder die Lackierung werden von uns projektspezifisch definiert und an interne Betreiberstandards angepasst“, erklärt Meller. Gleichzeitig bleibe der Kern der Maschine standardisiert: Lager, Getriebe, Verdichterstufen und Kühlsysteme basieren auf bewährten Plattformkomponenten. Dieses Baukastenprinzip kombiniert Engineering-Flexibilität mit kalkulierbarer Qualität, kurzen Lieferzeiten und wirtschaftlicher Fertigung.
Ein Beispiel für eine „engineered Solution“ ist in der Regelungslogik zu finden: Standardmäßig wird der Verdichter über die lokale Elektronikon-Steuereinheit geregelt, die über den Eintrittsleitapparat den Volumenstrom und gegebenenfalls den Austrittsdruck an den jeweils aktuellen Bedarf anpasst. Betreiber können neuerdings auf Wunsch die Regelung oder sogar die gesamte Überwachung des Kompressors in ihr eigenes Prozessleitsystem einbinden. „Damit ermöglichen wir unseren Kunden die bestmögliche Integration der Kompressoren in ihre Prozesse“, sagt Udo Meller.

Dieser Standardkompressor des Typs ZH 1400-8 stellt zusammen mit anderen die Druckluftversorgung eines Chemieparks sicher. Alle Komponenten des 1400 kW starken Turbokompressors befinden sich platzsparend innerhalb der Schallhaube. Dank der Plug-and-Play-Philosophie entfällt die externe Installation von Kompressorkomponenten, was die Installation und Inbetriebnahme vor Ort erheblich vereinfacht.
Quelle: Atlas Copco
Dieser dreistufige Turbokompressor des Typs FS3 ZH2250 liefert 10,4 bar und wurde durch einen speziellen Grundrahmen, Sonderlackierung, Instrumentierung und Vorbereitung für die Integration das Prozessleitsystem des Anwenders kundenspezifisch angepasst. Quelle: Atlas Copco
Ölfreie Verdichtung
Die heutige Generation basiert auf einer umfassend überarbeiteten Plattform. Weiterhin verdichten die ZH-Turbos absolut ölfrei: „Class 0“ gemäß der internationalen Norm ISO 8573-1 (2010). Dies ist die strengste Luftreinheitsklasse für Druckluftkompressoren. Gegenüber früheren Ausführungen wurden bei den neuen ZHs mehrere zentrale Komponenten konstruktiv überarbeitet, wie Udo Meller aufzählt:
- Das Kühlerdesign wurde optimiert.
- Das Designen der Laufräder wurde überarbeitet und die einzelnen Verdichter-Stufen wurden optimal aufeinander abgestimmt.
- Auch das Getriebedesign wurde komplett überarbeitet, wodurch die mechanischen Verluste reduziert wurden.
- Ebenfalls verbessert wurden die Abdichtungssysteme, über die nun geringere Leckagen erreicht werden, was das Gesamtsystem effizienter macht.
Allein die Fertigung aus dem Vollen – gefräst statt geschweißt – stehe für höchste Präzision, Festigkeit und exzellente strömungstechnische Eigenschaften, betont Meller: „Denn aufgrund der hohen strukturellen Integrität des Werkstoffs eignen sich diese Laufräder besser für hohe Drehzahlen, große Druckdifferenzen und die teilweise hohen Temperaturen.“

Dieses Modell eines ZH FS3 +4 verdeutlicht die kompakte Konstruktion der Standardbaureihe unter Atlas Copcos Turbokompressoren. Zu den wichtigsten Komponenten zählen das Getriebe mit den Kompressorstufen, die Zwischenkühler sowie das Ölsystem – diese werden vormontiert als Einheit geliefert, was die Installation vor Ort deutlich vereinfacht. Aus Gründen der Gewichtsoptimierung werden der Nachkühler und der Motor separat angeliefert und erst später integriert. Quelle: Atlas Copco
Turbokompressor des Typs ZHM FS2 in modularer und API-konformer Bauweise für eine Anwendung in der Öl- und Gasindustrie. Die Maschine wurde nach Kundenspezifikation gefertigt, die Hautkomponenten entstammen dem Standardbaukasten von Atlas Copco. Instrumentierung, Grundrahmen, Ölsystem, Messleitungen und Steuerung wurden dem Anwendungsfall angepasst. Quelle: Atlas Copco

Diese drei ZH-2250-Kompressoren liefern einen Betriebsüberdruck von 5,5 bar für eine Luftzerlegungsanlage. Die Maschinen fungieren als Hauptverdichter für die Anlage und sind als FS3-Standardmodelle ausgeführt, die rund um die Uhr im Einsatz sind. Quelle: Atlas Copco





