
Siemens öffnet neuen Vertriebsweg für Refurbished-Produkte
Stefan Jäger von Siemens und Dr. Christian Hoffart von Sparepartsnow vereinbaren die Zusammenarbeit beim Vertrieb aufgearbeiteter Automatisierungsprodukte. Siemens
Siemens erweitert den Zugang zu aufgearbeiteten Automatisierungsprodukten und kooperiert dafür mit dem deutschen B2B-Marktplatz Sparepartsnow. Über die Plattform können Industriekunden künftig ausgewählte gebrauchte Antriebe, Steuerungen und HMI-Panels beziehen, die vom Originalhersteller selbst aufgearbeitet und geprüft wurden. Der Ansatz „refurbished by Siemens“ startet zunächst in Europa und soll sowohl beim Produktspektrum als auch bei der regionalen Verfügbarkeit weiter ausgebaut werden.
Für Betreiber bestehender Anlagen ist das vor allem mit Blick auf lange Maschinenlebenszyklen interessant. Automatisierungskomponenten bleiben in Produktionsanlagen häufig über viele Jahre im Einsatz. Müssen einzelne Geräte ersetzt werden, kann die Verfügbarkeit passender Komponenten deshalb entscheidend für die Betriebskontinuität sein. Aufgearbeitete Originalprodukte schaffen hier einen zusätzlichen Beschaffungsweg und verlängern zugleich die Nutzungsdauer bereits vorhandener Hardware.
Aufarbeitung nach Herstellervorgaben
Nach Angaben von Siemens durchläuft jedes Gerät einen standardisierten Aufarbeitungsprozess. Dieser umfasst erforderliche technische Reparaturen sowie Hardware- und Software-Updates, bei Bedarf eine optische Aufbereitung und abschließende Qualitätstests. Freigegeben werden die Komponenten erst, wenn sie die vorgesehenen Funktionsprüfungen bestanden haben.
Die aufgearbeiteten Geräte sollen hinsichtlich Funktion und Leistung ihren ursprünglichen technischen Spezifikationen entsprechen. Maßgeblich bleiben dabei die Sicherheits-, Konformitäts- und Cybersicherheitsanforderungen, die zum Zeitpunkt des ursprünglichen Inverkehrbringens galten.
Mit der Verbindung aus industrieller Aufarbeitung und digitalem Vertrieb adressieren beide Unternehmen zugleich die Kreislaufwirtschaft im Maschinen- und Anlagenbau. Statt funktionsfähige Produktgenerationen allein durch Neugeräte zu ersetzen, sollen vorhandene Komponenten länger im industriellen Nutzungskreislauf bleiben. Gerade bei langlebigen Produktionsanlagen kann damit neben der Ressourcenschonung auch die Ersatzteilstrategie um eine weitere Option ergänzt werden.
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Vom KI-Versuch zur industriellen Anwendung
SICOS
Künstliche Intelligenz in der Produktion zu erproben ist eine Sache. Rechenintensive Anwendungen anschließend unter industriellen Bedingungen weiterzuentwickeln und zu skalieren, stellt insbesondere kleine und mittlere Unternehmen vor eine andere Herausforderung. Mit EuroCC3, der AI Factory HammerHAI und der zweiten Projektphase des European Digital Innovation Hub Südwest sollen Unternehmen künftig leichter auf Beratung, Erprobungsmöglichkeiten und High Performance Computing zugreifen können. Sicos BW ist an allen drei europäischen Initiativen als Projektpartner beteiligt.
Für Maschinen- und Anlagenbauer kann dieser Zugang vor allem dann relevant werden, wenn große Datenmengen verarbeitet oder komplexe Modelle trainiert werden müssen. Anwendungsfelder reichen von sensorbasierten Systemen und Edge KI bis zu datenintensiven Anwendungen in Industrie und Produktion. Statt dafür unmittelbar eigene Hochleistungsinfrastruktur aufzubauen, sollen Unternehmen zunächst Anwendungsfälle untersuchen und vorhandene europäische Rechenressourcen nutzen können.
Erst erproben, dann Rechenleistung skalieren
Die drei Initiativen übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben. Der EDIH Südwest folgt dem Prinzip „Test before invest“. Unternehmen können digitale Anwendungen erproben, erste Prototypen entwickeln und untersuchen, wie sich eine Technologie in vorhandene Prozesse integrieren lässt. Damit lässt sich zunächst klären, ob ein Anwendungsfall technisch und betrieblich tragfähig ist, bevor größere Investitionen erfolgen.
Wird für die weitere Entwicklung erheblich mehr Rechenleistung benötigt, setzt unter anderem HammerHAI an. Am Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart entsteht eine AI Factory, deren Infrastruktur bis Ende 2026 um einen KI Supercomputer erweitert werden soll. Unternehmen sollen darüber Rechenressourcen für Entwicklung und Skalierung von KI Anwendungen erhalten. EuroCC3 ergänzt das Angebot durch die nationalen HPC Kompetenzzentren mit Beratung, Qualifizierung und Unterstützung beim Zugang zu nationalen und europäischen HPC Ressourcen.
„Wir begleiten Unternehmen heute entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom ersten Einstieg bis zur Nutzung europäischer Hochleistungsinfrastruktur. Diese Breite ist nur möglich, weil wir mehrere strategische Initiativen gezielt miteinander verzahnen“, sagt Andreas Wierse, Geschäftsführer von Sicos BW.
Hochleistungsrechnen ohne eigenes Rechenzentrum
Interessant ist vor allem das Zusammenspiel der Angebote. Ein mittelständischer Maschinenbauer kann einen KI Anwendungsfall zunächst identifizieren, mit verfügbaren Daten erproben und einen Prototyp entwickeln. Steigt anschließend der Rechenbedarf, stehen entsprechende HPC und KI Ressourcen für die weitere Entwicklung zur Verfügung.
Damit sinkt eine wesentliche Einstiegshürde für rechenintensive Entwicklungsprojekte: Unternehmen müssen nicht bereits zu Beginn eigene Hochleistungsrechner bereitstellen. Für den industriellen Mittelstand kann dadurch insbesondere die kritische Phase zwischen einem erfolgreichen KI Prototyp und einer skalierbaren technischen Anwendung leichter zu überbrücken sein.





