ENERGIEEFFIZIENZ & NACHHALTIGKEIT
Verpackungen auf dem Prüfstand
Recyclingfähigkeit im Realitätstest
Verpackungen entsprechen nicht immer vollständig dem, was ihre Kennzeichnung verspricht. „Nachhaltig“ heißt nicht zwangsläufig recyclingfähig. Zwar gelten faserbasierte Materialien als umweltverträgliche Alternative zu Kunststoff, doch Klebstoffe, Beschichtungen und Materialkombinationen können das Recycling erschweren. Gleichzeitig wird der Druck bei Unternehmen durch neue gesetzliche Vorgaben erhöht. Doch wie lässt sich die Recyclingfähigkeit sicherstellen? Der Schlüssel liegt in intelligenter Materialwahl, durchdachtem Design – und zuverlässigen Prüfverfahren, die schon in der Entwicklungsphase über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Die Kreislaufwirtschaft ist zum Leitgedanken einer nachhaltigeren Verpackungsindustrie geworden, in der vor allem faserbasierte Verpackungen wie Papier, Karton und Pappe an Bedeutung gewinnen. Sie sind biobasiert, weit verbreitet und weisen hohe Recyclingquoten auf, sind aber nicht per se die optimale Lösung. Fehlende Barriereeigenschaften, etwa gegen Feuchtigkeit, Fett oder Sauerstoff, schränken ihre Einsatzmöglichkeiten ein, und Materialkombinationen wie Kunststoff- oder Aluminiumbeschichtungen, die für den Produktschutz notwendig sind, können die Recyclingfähigkeit vermindern. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Verpackungslösungen zu finden, die sowohl praktikabel sind als auch den steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen der EU entsprechen.
„Recyclingfähigkeit ist kein Zufallsprodukt – sie muss gezielt mitgedacht und geprüft werden“, betont Philippe Blank, Head of Circular Economy bei Henkel. „Insbesondere Klebstoffe und Beschichtungen müssen so entwickelt werden, dass sie einerseits funktionale Anforderungen erfüllen und sich andererseits problemlos aus dem Faserstrom entfernen oder nahtlos in neue Papierprodukte integrieren lassen.“
Manche herkömmlichen Klebstoffe und Beschichtungen lassen sich beim Recycling nur schwer von den Papierfasern trennen. Ein Beispiel sind funktionale Beschichtungen: Eine Kunststofffolie oder eine Aluminiumschicht verbessert zwar die Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit von Verpackungen, kann aber auch verhindern, dass sich die Papierfasern im Recyclingprozess vollständig lösen.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, arbeiten Klebstoffhersteller wie Henkel Adhesive Technologies gezielt an recyclingfähigen Klebstoffen und Beschichtungen, die Schutz und Stabilität bieten, ohne die Faserausbeute im Recycling zu beeinträchtigen. Mit speziellen Formulierungen lassen sich funktionale Schichten erzeugen, die sich im Recyclingprozess leichter entfernen lassen. Im Henkel Packaging Recyclab, dem hauseigenen Prüflabor für faserbasierte Packmittel in Düsseldorf, wird die Recyclingfähigkeit der Formulierungen unter Laborbedingungen getestet und kann so gezielt weiterentwickelt werden.

Strategien für Verpackungshersteller
Nachhaltige Verpackungen entstehen nicht zufällig, sondern sind das Ergebnis einer durchdachten Strategie. Wird bereits in der Entwicklungsphase sichergestellt, dass eine Verpackung nach Gebrauch in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden kann, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie sowohl gesetzliche Anforderungen als auch die Vorgaben der Recyclinginfrastruktur erfüllt. Voraussetzung für das Prinzip „Design-for-Recycling“ ist ein enger Austausch zwischen den Akteuren in der Industrie – von Verpackungsherstellern über Markenartikler bis zu Recyclingunternehmen.
Gleichzeitig treiben Unternehmen wie Henkel die Forschung und Entwicklung neuer Materialien voran, um nachhaltige Verpackungslösungen weiter zu optimieren. Barriereschichten, die Kunststofffolien ersetzen, und Klebstoffe werden kontinuierlich weiterentwickelt, um sie im Recyclingprozess leichter austragen zu können.
Recyclingfähigkeit als regulatorische Notwendigkeit
Der Druck zur Veränderung wächst – und die Zukunft der Verpackungsindustrie ist untrennbar mit der Recyclingfähigkeit ihrer Produkte verbunden. Verpackungen, die sich nicht recyceln lassen, werden zunehmend vom Markt verdrängt, sei es durch gesetzliche Vorgaben, durch große Handelsketten oder durch die steigenden Erwartungen der Verbraucher. Unternehmen, die sich frühzeitig mit der PPWR und den Prinzipien des Design-for-Recycling auseinandersetzen, sichern sich nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, sondern vermeiden langfristig auch Strafzahlungen sowie den Ausschluss vom Markt ab 2030 aufgrund von Abweichungen von den Vorgaben der europäischen Verpackungsverordnung. Die Zusammenarbeit mit spezialisierten Prüflaboren wie dem Henkel Packaging Recyclab oder dem Institut cyclos-HTP (CHI) bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Verpackungen nach anerkannten Standards auf Recyclingfähigkeit prüfen zu lassen und gezielt zu optimieren.




