VERPACKEN & KENNZEICHNEN
Direktdruck für PPWR-konforme Verpackungen
Kennzeichnung ohne Etikett

Gerhard Schubert GmbH
Verpackungen sollen künftig nicht nur schützen, sondern auch deutlich mehr Informationen über Inhalt und Entsorgung bereitstellen. Form, Farbe und Aufdruck werden damit zu zentralen Trägern von Produkt- und Recyclinginformationen. Mit der neuen EU-Verpackungsverordnung Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) steigen die Anforderungen an die Kennzeichnung deutlich, was direkte Auswirkungen auf die Ausgestaltung von Verpackungen hat. Ab 2026 müssen neben Chargen- und Seriennummern auch Kontaktdaten des Herstellers auf jeder Verpackung stehen, im gleichen Jahr sollen zusätzliche digitale Informationsträger wie QR-Codes über Wiederverwertbarkeit, Recyclingprozesse, Reparatur- und Rücknahmesysteme informieren. Ab 2028 kommen EU-weit einheitliche Piktogramme zur Materialzusammensetzung hinzu. Gleichzeitig fordert die PPWR recyclinggerechte Verpackungen, wodurch herkömmliche Etiketten kritisch in den Fokus rücken, sofern sie nicht als Monomaterial ausgeführt sind.
„Für eine PPWR-konforme Kennzeichnung kommen zahlreiche Ansätze infrage, die sich allesamt mit Drucktechnologien umsetzen lassen“, erläutert Stefan Horvath, Produktmanager im Packaging Competence Center bei Gerhard Schubert. Künftig werden vor allem QR- und zweidimensionale Barcodes auf Verpackungen an Bedeutung gewinnen, da sie mit wenig Platzbedarf umfangreiche Informationen bereitstellen. Eine zentrale Rolle wird der Digitale Produktpass spielen, der ab 2027 für erste Produktgruppen verpflichtend wird und als Schnittstelle zu ausgelagerten Daten dient. Über diesen Produktpass erhalten Verbraucher, Recycler, Hersteller und Behörden Zugriff auf Informationen zu Zusammensetzung, Herkunft und Verarbeitungsfähigkeit der eingesetzten Materialien. Die umfangreichen Daten liegen auf externen Quellen wie Webseiten, während die Codes auf der Verpackung den Zugang dazu sicherstellen und so auch manuelle Sortierprozesse, etwa bei Kunststoffen, unterstützen können.

Die technische Umsetzung dieser Codes auf unterschiedlichen Packstoffen stellt die Industrie vor unbekannte Aufgaben. Klassische Continuous-Inkjet-Drucksysteme sind für viele Einsatzfälle zwar verfügbar, stoßen aber bei umfangreicheren Anforderungen und größeren Druckflächen an Grenzen. Laserbasierte Systeme ermöglichen hier eine hohe Geschwindigkeit und großflächige Kennzeichnung, verlangen aber geeignete Packstoffe, da sie in der Regel nur auf bedruckten Folien funktionieren und dort Material abtragen oder Farbumschläge erzeugen. Zusätzlich sind höhere Investitions- und Betriebskosten sowie Schutzvorrichtungen und geschultes Personal für den sicheren Betrieb notwendig. Alternativ erlauben tintenbasierte Verfahren mit UV-härtender Tinte eine scharfe, kontrastreiche Kennzeichnung auch auf transparenten oder glatten Materialien. Die Tinte härtet unter Lichteinwirkung in Sekunden aus, verwischt nicht und ermöglicht hohe Prozessgeschwindigkeiten. Eine vorherige Oberflächenbehandlung der Folien mit Corona oder Plasma sorgt für gute Haftung, ein sauberes Druckbild und hohe Kratzfestigkeit, erfordert jedoch spezielle Lampen, Kühlsysteme und geeignete Schutzmaßnahmen gegen UV-Strahlung.

Continuous-Inkjet-Technik bleibt trotz begrenzter Auflösung eine wirtschaftliche Option, vor allem bei hohen Druckgeschwindigkeiten und kleinen Druckflächen. Hier wird Tinte über feine Düsen auf saugfähige Substrate wie Papier oder Karton aufgebracht; auf glatte Folien lässt sich die Haftung durch geeignete Lösemittelzusätze verbessern. Die Tinte trocknet durch Verdunstung und kann bis dahin gegenüber äußeren Einflüssen empfindlich sein, was das Risiko des Verwischens erhöht. Alle beschriebenen Direktdruckverfahren haben jedoch gemeinsam, dass sie zusätzliche Etiketten überflüssig machen und so die Entwicklung recyclinggerechter Verpackungen unterstützen. Vor dem Hintergrund der PPWR-Anforderungen wird die Wahl zwischen Laser, UV-härtender Tinte und Continuous Inkjet künftig noch stärker von Packstoff, Produktionsgeschwindigkeit, Investitionsrahmen und gewünschter Informationstiefe abhängen und die Kennzeichnungsstrategie in der Verpackungsentwicklung maßgeblich prägen.


